Ola Jost hat viele Schicksalsschläge erlebt – und genau diese Erfahrungen haben sie zur Kunst geführt. Die Malerei wurde für sie zu einem sicheren Ort, zu einem Raum der Ruhe, des Ankommens und des Neubeginns. Zuhause ist sie im schönen Greven – umgeben von einem liebevoll gestalteten Garten, ihrem Ehemann und zwei Hunden. Dort hat sie sich ihr eigenes kleines Atelier geschaffen: ein ehemaliges Homeoffice, das heute ein kreativer Rückzugsort ist. Hier entstehen ihre strukturierten, naturverbundenen und emotional tiefen Werke, Schicht für Schicht, mit viel Hingabe und Gefühl. Erfahre mehr über Ola in diesem Interview.
Liebe Ola. Erzähle uns von deinem Weg zur Kunst.
O.J.: „Mein Weg zur Kunst war alles andere als geradlinig. Ich habe viele Schicksalsschläge erlebt, darunter einen schweren Autounfall mit gravierenden Folgen. Seitdem ist mein Leben nicht mehr so, wie es einmal war. Krankenhausaufenthalte und Therapien wurden ein fester Bestandteil meines Alltags.
In dieser Zeit begegnete mir eine Kunsttherapeutin, die etwas Besonderes in mir gesehen hat. Sie ermutigte mich, zu malen – und damit öffnete sie mir eine Tür, die mein Leben verändert hat.
Seitdem ist die Kunst mein Halt, meine Ausdrucksform und mein Weg, Gefühle und Erfahrungen sichtbar zu machen, aber auch die Schmerzen zu überstehen.“
Was machst du hauptberuflich?
O.J.: „Ich bin gelernte Versicherungskauffrau und war viele Jahre selbstständig. Heute bin ich erwerbsgemindert und kann meinem früheren Beruf nicht mehr nachgehen. Ich beschäftige mich intensiv mit meiner Kunst, studiere Farben und verschiedene Materialien, arbeite im Sketchbook.“
In welchem Genre fühlst du dich mit deiner Kunst zu Hause?
O.J.: „Ich bewege mich in der abstrakten Kunst – mit deutlicher Tendenz zu strukturierten, naturinspirierten und emotionalen Werken. Meine Bilder liegen irgendwo zwischen abstrakter Landschaft, Expression und Strukturkunst, geprägt von Tiefe, Ruhe und innerer Bewegung.“

Du verwendest außergewöhnliche Materialien und liebst Rost. Was fasziniert dich daran?
O.J.: „Rost ist für mich pure Magie. Er steht für Zeit, Veränderung, Naturprozesse – und besitzt trotzdem eine unfassbare, fast stille Schönheit. Mich faszinieren Strukturen und Rost – nicht nur wegen ihrer Haptik, sondern weil sie mich an die Natur und den Wandel im Leben erinnern. In meinen Bildern verarbeite ich natürliche Materialien wie Kaffeesatz, Eierschalen oder Holzspäne. Dinge, die oft als wertlos gelten, erhalten durch meine Kunst eine neue Bestimmung, einen Neubeginn. Vielleicht berührt mich das so sehr, weil es auch ein Stück meiner eigenen Geschichte widerspiegelt.“
Was sind deine Lieblingsfarben?
O.J.: „Ich arbeite besonders gern mit: Blautönen, Erdtönen, Anthrazit, Ocker und Rostrot. Diese Farben spiegeln meine Liebe zu rauen Landschaften, zum Meer, zum Wind und zur Erde wider. Sie haben eine Tiefe, die mit meinen Gefühlen in Resonanz geht.“


Wo findest du deine Inspiration?
O.J.: „In der Natur. In Momenten der Stille. Im Meer, im Nebel, in Steinen, in rauen Texturen, in alten Oberflächen. Inspiration finde ich aber auch in meinen eigenen Erfahrungen und Emotionen – oft genügt ein kleiner Moment, um ein ganzes Bild in mir auszulösen.
Natürlich betrachte ich auch gerne die Werke anderer Künstlerinnen und Künstler und lerne dabei. Jede Begegnung mit Kunst öffnet neue Blickwinkel und erweitert meinen eigenen kreativen Weg.“
Wie gehst du an deine leere Leinwand heran?
O.J.: „Immer intuitiv. Ich beginne selten mit einem fertigen Plan.
Zuerst entsteht die Struktur – sie kann aus Sumpfkalk, Marmormehl, Steinmehl, Champagnerkreide, Sand, Kaffeesatz, Eierschalen oder Papier bestehen. Dann beobachte ich, wohin mich die Leinwand führt, denn beim Trocknen entstehen oft ganz von selbst faszinierende Risse und Oberflächen.
Die Farben kommen erst später und entwickeln sich aus dem Prozess heraus. Ich lasse entstehen, statt zu kontrollieren – so bleibt jedes Bild ein Dialog zwischen Material, Gefühl und Moment.“

Was fragst du Menschen, die eine Auftragsarbeit möchten?
O.J.: „Damit das Bild wirklich zu ihnen passt, frage ich unter anderem:
- Welche Stimmung wünschst du dir?
- Welche Farben liebst du – und welche gar nicht?
- Wo soll das Bild hängen?
- Welche Größe passt?
- Welches meiner Werke spricht dich besonders an?
- Gibt es eine Bedeutung oder Geschichte, die im Bild mitschwingen soll?
- Soll es ruhiger, wilder, strukturiert oder sanfter werden?
So entsteht ein klarer Leitfaden, ohne meine Handschrift zu verlieren.“

Was ist dir bei der Fertigung deiner Werke besonders wichtig?
O.J.: „Authentizität. Ruhe. Zeit.
Ich möchte, dass ein Bild nicht einfach dekorativ ist, sondern etwas in Menschen auslöst. Dass es berührt, nachklingt und meine innere Idee klar transportiert.“


Wie verkaufst du deine Werke?
Welche Zukunftspläne hast du?
O.J.: „Ich möchte meine Positionierung als naturverbundene, emotionale Künstlerin weiter stärken und meine Kunst stärker mit Natur- und Umweltschutz verbinden. Meine Bilder sollen nicht nur berühren, sondern auch aufmerksam machen: Wir haben nur diese eine Erde. Mit meiner Kunst möchte ich Menschen auf das Wesentliche aufmerksam machen. Alles, was wir brauchen, um stark zu sein, ist bereits um uns herum – in der Natur, in der Stille, in uns selbst. Ich hoffe, dass meine Bilder für manche mehr sind als nur Kunst – vielleicht ein Symbol für Neubeginn, Kraft und die Schönheit des Moments.“

© Ola Jost

© Ola Jost
Hast du einen Tipp für KünstlerInnen, die mit der Direktvermarktung starten?
O.J.: „Ja: Zeig dich – und zwar echt.
Nicht perfekt, nicht glatt, sondern authentisch. Menschen kaufen nicht nur ein Bild, sondern den Menschen dahinter, die Geschichte, den Prozess. Sei sichtbar, erzähle, nimm andere mit – und hab Mut, deinen ganz eigenen Weg zu gehen.“
Herzlichen Dank, liebe Ola, für dieses ehrliche und aussagekräftige Interview! Alles Gute für dich auf deinem weiteren kreativen Weg und auch für deine Gesundheit.